Medien-Empfehlungen

In ihren Medienverzeichnissen stellt die Stadtbibliothek Ludwigshafen anlassbezogen aktuelle Titel aus dem Bestand zusammen und gibt Medientipps zu Themen, die im Gespräch sind.

Aktueller Medientipp:

Risse: dreißig deutsche Lebensläufe. Von Roswitha Schieb, Berlin, Lukas Verlag, 2019
Dieses äußerlich sehr schlicht gestaltete Buch ist eine wahre Fundgrube zur deutschen Geschichte der letzten 200 Jahre. Im Fokus stehen dabei die Auswirkungen der großen Geschichte auf das Schicksal des einzelnen Menschen, Dreh- und Angelpunkt der biographischen Abrisse von Fanny Lewald bis Ursula Krechel ist der Nationalsozialismus einschließlich seiner Vorgeschichte und seiner langen Nachwirkungen über das geteilte Deutschland bis in die Zeit nach der Wiedervereinigung. Roswitha Schieb, die Literatur- und Kunstwissenschaft studierte und bereits in ihrer Promotion Literatur vor dem Körperbild der Nationalsozialisten betrachtete, beleuchtet hier besonders solche Persönlichkeiten, deren Wege abseits des Mainstreams verliefen und verlaufen, viele jüdische Menschen sind darunter, ungefähr die Hälfte sind Frauen. Oft führt sie die Tragik eines Lebens vor Augen, etwa bei Agnes Wabitz oder Else Ury. nimmt stets auch Bezug zum (literarischen) Werk der Portraitierten. Alles in allem macht das Buch neugierig auf vielleicht lange nicht mehr beachtete Werke und Autoren der deutschen Literatur, darauf, sich ausführlicher mit einzelnen Lebensverläufen zu befassen, beispielhaft sei hier der von Jennifer Teege erwähnt, der Enkeltochter eines KZ-Kommandanten. Außerdem besprochen werden unter anderen Selma Meerbaum-Eisinger, Walter Benjamin, Billy Wilder, Marlene Dietrich, Hans Sahl, Bernward Vesper, Brigitte Reimann, Helga Schütz und Carolin Emcke.